Der Bau der Intrige – über Filme, die was machen. Teil 6: Der lachende Mann

„Der lachende Mann“ von Walter Heynowski und Gerhard Scheumann, eine DEFA Produktion 1966, 66 Minuten

Einführung und Publikumsgespräch: Fabian Tietke

10. November 1965: Vier Stunden lang interviewen die ostdeutschen Dokumentarfilmer Walter Heynowski und Gerhard Scheumann in einem Münchner Filmstudio den als „Kongo-Müller“ bekannten Söldner Siegfried Müller. Vor dunklem Hintergrund, im Kampfanzug samt Eisernem Kreuz 1. Klasse, lässt der 45-jährige Major seiner alkoholschweren Zunge freien Lauf. 1964 und 1965 hatte er als Söldner in der Demokratischen Republik Kongo angeheuert, um einen Aufstand blutig niederzuschlagen. Fotos und Berichte im Stern und anderen Illustrierten hatten ihn weltweit zu einer fragwürdigen Publizität verholfen. Nicht ahnend, dass er einem Team des DDR-Fernsehens gegenübersitzt, berichtet Müller, ständig lächelnd, freimütig über seine blutigen Einsätze im Kongo und hält mit seinen politischen Ansichten nicht hinterm Berg: „Wir haben für Europa gekämpft, im Kongo, für die Idee des Westens, und zwar, um es genau zu sagen, für Liberté, Fraternité und so weiter. Sie kennen diese Sprüche. Dafür habe ich gekämpft. Denn Afrika ist für mich nichts anderes als die Verteidigung des Westens in Afrika.“ Mit dem bizarren Versuch, seine Taten durch weltpolitische Thesen zu rechtfertigen, liefert er den Filmemachern die erhofften Argumente für einen Dokumentarfilm, der anhand der Einzelperson „Kongo-Müller“ den militaristischen Charakter der Bundesrepublik insgesamt entlarven will. (Text: Zeughaus-Kino, Berlin)

Fabian Tietke kuratiert mit der Gruppe „The Canine Condition“ (Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky, Cecilia Valenti) Filmreihen. Sein filmisches Interesse gilt Film und sozialen Bewegungen, der italienischen, nordafrikanischen und chinesischen Filmproduktion und -geschichte. Er schreibt für eine Reihe von Print- und Onlinemedien über Film, Filmpolitik und anderes.

Eine Filmreihe des D21 Kunstraum

kuratiert von Lena Brüggemann und Clemens von Wedemeyer

„Der Bau der Intrige – über Filme, die was machen“ lotet die Möglichkeiten eines aktivistischen Kinos aus. Im Luru Kino werden Filme gezeigt und mit eingeladenen Expert_innen und dem Publikum diskutiert. Kann Film nicht nur über politisches Handeln sprechen, sondern auch Teil des politischen Handelns seins?

in Kooperation mit globaLE

globaLE

gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Stadt Leipzig Kulturamt