Speculative Fiction Series IV: Episode 2 – Lynn Hershman Leeson

Lynn Hershman Leeson „Teknolust“
Vorfilm: Charlotte Eifler, Juliane Jaschnow, Katharina Wittmann: opt+]

Am 8. Dezember findet die D21-Filmreihe „Speculative Fiction Series I – IV“ ihren Abschluss in der Auseinandersetzung mit Science-Fiction-Narrativen im künstlerischen Experimentalfilm mit der Vorstellung des Werks der Grande Dame der Medienkunst, Lynn Hershmann Lesson. Über eineinhalb Jahre stellten Lena Brüggemann (Künstlerische Leitung D21 Kunstraum Leipzig) und Clemens von Wedemeyer (Prof. für Medienkunst, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig) dazu künstlerisch-experimentielle Filme im Leipziger LURU Kino vor. Ergänzt wurden die Screenings durch Vorfilme von Studierenden.

Teknolust

Lynn Hershman Leeson
2002

Lynn Hershman Leeson unternimmt in ihrer künstlerischen Arbeit eine feministische Kritik der Naturalisierung von Geschlecht durch eine Untersuchung des denaturalisierenden Potenzials, das in neuen Technologien enthalten ist. Schon in den frühen 1960er Jahren begann sie ihre „Cyborg-Serie“, bestehend aus Zeichnungen, Collagen, Fotografien, Digital-Ausdrucken und Keramik. Dabei stellt der Cyborg einerseits die Macht eines wissenschaftlich-industriellen Regimes dar, andererseits verkörpert er ein vielversprechendes feministisches Projekt. Durch ihre frühe und andauernde Auseinandersetzung mit digitalen Techniken gilt Hershman Leeson als Pionierin der Medienkunst. Doch auch schon „Before Computer“ („B.C“ in ihrer eigenen Zeitrechnung) schuf sie fiktive Identitäten und Avatare. Von 1974 bis 1978 entwickelte und lebte Hershmann Leeson die fiktive Person Roberta Breitmore – als private Performance und zeitgebundene Skulptur.

Ihr Film „Teknolust“ ist ein absurd-überdrehter Science-Fiction-Film über Biogenetik, virtuelle Lebensformen, Geschlechtskonstruktionen und sexuelle Selbstbestimmung. Tilda Swinton spielt die Wissenschaftlerin Rosetta Stone, die illegal drei Klone von sich anfertigt. Da sie zum Überleben auf die Aufnahme des Y-Chromosoms angewiesen sind, wird einer der Klone mittels Verführungsszenen aus Filmklassikern programmiert und geht regelmäßig auf Männersuche. Der sexuelle Kontakt mit dem Klon führt zu erstaunlichen Auswirkungen auf die Männer, so dass das FBI auf die Aktivitäten der Klonfamilie aufmerksam wird und anfängt zu ermitteln.

opt+]

Charlotte Eifler, Juliane Jaschnow, Katharina Wittmann
2015

Im Film opt+] werden Masken als Artefakte kultureller, sozialer Hierarchien und technischer Entwicklungen untersucht. Die Mechanismen von Repräsentation wandeln sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten – inwieweit lassen sich historische Wurzeln von Masken in unsere Gegenwart übersetzen? Zentrale Fragen des filmischen Essays sind die Notwendigkeit und Formen von Sichtbarkeit in Gegenwart und Zukunft. Die Doppeldeutigkeit der Maske – das Verbergen auf der einen und das Offenbaren auf der anderen Seite – werden verhandelt.